Dokumentiert #1

Veröffentlicht: 7. November 2010 in dokumentiert, linke
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Da man sich im maedchenblog nicht nur nicht zu blöd für Kommentare der Sorte:

Vielleicht würde ich mit Dir diskutieren, wenn Du ein Feminist wärst.

ist, sondern auch gleich noch die Kritik an ihnen per Löschung entsorgt, dokumentiere ich diese mal hier:

Du würdest also vielleicht (! – wie großzügig aber auch) mit mir diskutieren, wenn wir uns ohnehin schon einig wären? Klar, dann müsstest Du ja auch nicht argumentieren.

Und wie kommt es eigentlich, dass bei Dir der Feminismus einerseits so vielfältig ist, dass man ihn gar nicht kritisieren können soll, weil es ihn als solchen gar nicht gibt, aber er für Dich andererseits so eindeutig ist, dass Du ganz klar sagen kannst, wer dazu gehört und wer nicht, wovon Du es dann auch noch abhängig machst, wem Du die huldvolle Gnade angedeihen lässt, vielleicht mit ihm zu diskutieren? Lerne wenigstens mal ein bisschen Logik, wenn Du Dich schon nicht mit Argumenten befassen willst – dann klappt es auch damit, Dir nicht selbst zu widersprechen.

Kommentare
  1. Claudia P. sagt:

    Ich habe auch den Feminismus vorhin auf dem so genannte Mädchenblog kritisiert und mein Beitrag wurde prompt gelöscht. Meinungsaustausch ist nicht gewollt und man hat gar angst davor. Es scheint bei den Feministinnen eine Krise zu geben, wenn man nicht einmal dazu im Stande ist sich Diskussionen zu stellen.

    In dem Blog habe ich die feministische Bewegung kritisiert, weil sie immer radikaler wird und faschistische Züge aufweist (Kritik soll wie bei den Nazis im Keim erstickt werden). Man braucht sich nur so einige Gruppen auf StudiVZ anzugucken, die von so genannten Feministinnen erstellt worden sind wie zum Beispiel „In jedem Mann steckt was Gutes, und wenn es nur ein Messer ist“. Früher fanden die Nazis solche Parolen witzig (das Opfer war damals eine Rasse) und heute sind es unsere Feministinnen, die sich faschistischer Ideologien bedienen (heute ist es das Gechlecht).

  2. Ja, um Klärung geht es dort tatsächlich nicht, sondern lediglich um gegenseitiges Schulterklopfen dafür, auf der Seite des Guten zu stehen.

    Sonderlich tauglich ist Deine Kritik dann aber auch nicht. Zum einen schon deshalb, weil Radikalisierung gar kein inhaltlicher Einwand ist, sondern lediglich den Abgleich mit einem selbst definierten ’normalen‘ Rahmen vornimmt, der verlassen werden würde. Wenn ein Inhalt stimmt, was soll denn dann bitte dagegen sprechen, ihn konsequent zu Ende zu denken – und nach Möglichkeit auch in die Praxis umzusetzen?

    Analog auch Dein Faschismusvorwurf an den Feminismus: auch damit werden lediglich die demokratisch-nationalistischen Sitten als moralischer Titel (demokratisch-nationalistisch = normal = gut) hochgehalten und der Feminismus an diesen blamiert. Womit man aber inhaltlich weder etwas über den Feminismus, noch über die aktuelle demokratische Normalität, noch über den Faschismus ausgesagt ist.

    Zur Kritik sowohl am Feminismus, als auch am gesellschaftlichen Sexismus – der ja nicht dadurch aus der Welt ist, dass ihn der übliche Feminismus verkehrt kritisiert -, empfehle ich u.a. diesen Kommentar. Auszug:

    Ein vernünftiger Antisexismus kritisiert die sexistischen Rechtfertigungen, welche sich die Leute zulegen, weil ihm eine begründete Gegnerschaft gegen die mit ihm gerechtfertigten Benutzungsverhältnisse zugrunde liegt, deren notwendige Schädlichkeit für einen er nachgewiesen hat. Der Feminismus ist zwar ebenfalls antisexistisch, aber (im „anti-“ stecken halt die Gründe für die Ablehnung noch nicht drin), alleine deshalb, weil er mit dem Maßstab Gleichheit = Gerechtigkeit = prima auf die Welt losgeht. Das zusammengebracht macht es den Feminismus also aus, gegen Sexismus zu sein, weil er darin eine Ungleichheit = Ungerechtigkeit gegen Frauen sieht, deren gleiche = gerechte = prima Behandlung er sich also zum Maßstab macht*. Und weil er mit diesem politmoralischen Maßstab auf die Welt losgeht, fasst er jede von ihm auf diese Weise ausgemachte Ungleichheit = Ungerechtigkeit unter Sexismus, wodurch die verschiedensten gesellschaftlichen Verhältnisse sowie ihre jeweiligen Rechtfertigungen ihm allesamt unter sexistisch = ungleich = ungerecht fallen, weshalb die ihm gar keiner inhaltlichen Befassung mehr wert sind, sondern ihm nur noch zur Bebilderung dienen, wie wirklich ungerecht die Frauen doch immerzu behandelt worden wären und behandelt werden würden. So kommt er dann auch auf das Konstrukt eines sich durch die Jahrtausende ziehenden Patriarchats, denn wenn immer nur festgehalten wird, dass da FRAUEN (!!!einself1!!1) ungleich behandelt wurden, also nicht das bekommen hätten, was ihnen eigentlich gerechter Weise zugestanden hätte, dann bleibt auf der Seite der fiesen ungerechten Unterdrücker eben nur das komplementäre Kollektivsubjekt MÄNNER.

    Dass ein paar Feministinnen dann aufs Männer abstechen als Konsequenz dieses Fehlers kommen, mag ja sein, aber dass diese Konsequenz gezogen wird, widerlegt ihn eben nicht. Und an den Feministinnen im maedchenblog geht das ohnehin vorbei, weil die ja gar keine Messerstechereien als korrekte feministische Praxis postulieren.

  3. Da man meine Kommentare mangels Bekenntnis zum Feminismus im maedchenblog offensichtlich nicht freizuschalten bereit ist, dokumentiere ich mal auch noch meine Antworten an TaP und jen-nie:

    @ TaP:
    zur Unterstellung: na wenn (bspw.) Homos damit antreten, dass sie genauso wie Heteros in der Ehe füreinander einstehen können, dass sie auch genauso wie Heteros gut für Kinder sorgen und diese ordentlich erziehen können etc. pp., dann treten sie eben genau mit dem „bürgerlichen“ Programm an, vom bürgerlichen Staat diese Gleichstellung in der Benutzung zu bekommen. Ähnlich ja übrigens auch sv im Ausgangspost:

    Fragt sich nur, wie wir die ganzen Homo-Ehen, Alleinerziehenden, Ledigen, Poly-Gruppen, lesbischwule Beziehungen, glücklich Unverheiratete, glücklich kinderlosen Menschen in Frau Schröders Modell reinquetschen…

    Es bräuchte also ein anderes Familienbild des bürgerlichen Staats (resp. seines Herrschaftspersonals), in das auch „die ganzen Homo-Ehen, Alleinerziehenden, Ledigen, Poly-Gruppen, lesbischwule Beziehungen, glücklich Unverheiratete, glücklich kinderlosen Menschen“ reinpassen – sie sollen also alle gleichermaßen als Keimzelle des Staates (ja, bööööser Hegelianismus) anerkannt werden, also auch die zu dieser Pflicht passenden Rechte, welche diese Pflichtausübung erst ermöglichen, erhalten.

    Und das ist auch notwendig so bei den von Dir angestrebten reformistischen „Kämpfen“: wer an die Herrschaft appelliert, muss ihr sein Anliegen schon als vorteilhaft für diese schmackhaft machen. Was bürgerlichen Individuen (also auch den üblichen Feministinnen*, Homo-Verbänden, Linksalternativen etc.) freilich auch nicht weiter schwer fällt. Schließlich treten sie ja ohnehin mit dem Idealismus der guten Herrschaft an, dass deren optimales Funktionieren und das eigene optimale Funktionieren in eins fallen würden, sich das Herrschaftspersonal also eigentlich – wenn es für die gute Herrschaft einsteht – saueinig mit einem sein müsste.

    Zur Logik: Du hast wie nicht anders zu erwarten war, den Witz an der Sache nicht gepeilt. Insofern gebe ich das mit den dummen Feinden als besonderes Ärgernis auch gerne zurück😛 . Wenn es bei aller Binnendifferenzierung eine Grenze des Feminismus‘ – oder positiv formuliert: einen den Feminismus ausmachenden gemeinsamen Kern – gibt, dann kann man Feminismuskritikern nicht erwidern, dass es den Feminismus doch gar nicht gäbe. Sondern lediglich, dass sie entweder diesen Kern des Feminismus‘ verfehlen, oder, dass ihre Einwände gegen diesen Kern des Feminismus‘ nicht stimmen.

    Umgekehrt umgekehrt. Wenn man wie sv Kritikern des Feminismus‘ entgegen hält, dass es den Feminismus‘ als solchen gar nicht gäbe:

    Schröders Statement 1: Es gibt die eine Frauenbewegung – Uh, ganz falsch. Neben First Wave, Second Wave und Third Wave merken wir fast jeden Tag im Gespräch miteinander, dass es vielleicht sogar soviele feministische Strömungen und Praxen gibt, wie es Feminist_innen gibt – von der „einen Frauenbewegung“ zu sprechen erscheint total absurd.„,

    dann kann man nicht, ohne sich selbst zu widersprechen, festlegen, wer feministisch ist und wer nicht. Denn dann gäbe es ja den einen Feminismus als den gemeinsamen Kern aller Frauenbewegung„.

    Wenigstens entscheiden, unter welchem dieser beiden Vorwände man sich um das Eingehen auf die vorgebrachten Argumente drücken will, sollte man sich also schon mal. Besser wäre es freilich, man würde auf solche albernen Manöver ganz verzichten.

    * Es gibt ja auch ein paar Leute mit ner vernünftigen Kritik, die sich unbedingt feministisch nennen wollen. Diese sind hier selbstverständlich nicht gemeint.

    @ jen-nie: Der Streit geht doch gar nicht darum, ob Kristina Schröder da lauter Härten formuliert – klar macht sie das. Umstritten ist hingegen, ob sie das macht, weil sie für das Amt der Familien-, Frauen etc. -ministerin unqualifiziert ist, oder ob das zu den von ihr ausgeübtem Amt wie die Faust aufs Auge passt. Oder methodischer gesagt und den Bezug zum Idealismus der guten Herrschaft aufmachend: unterstellt man der Herrschaft die eigenen Wünsche als deren eigentlichen Zweck, welcher nur wegen eines schlechten (unfähigen und/oder böswilligen) Herrschaftspersonals nicht verwirklicht wird, oder prüft man mal die Zwecke der Herrschaft? Naja und zu diesen Zwecken gehört es eben (wie Du selbst richtig feststellt), dafür zu sorgen, dass sich das Staatsvolk – da Material der Herrschaft – reproduziert und nicht „ausstirbt“. Dafür zum einen mit nationalmoralischen Appellen und zum anderen mit entsprechender materieller Förderung (Finanzen und Rechte) zu sorgen ist genau der Job einer Familienministerin.

    Übrigens: dass viele Leute diesen Idealismus teilen, macht ihn nicht richtiger.

    Und: dass Feminismus und Kapitalismus aufs engste verknüpft sind, zitiere ich lediglich zustimmend von Deiner Mitstreiterin sv😉 . Dass der größte Teil des Antifeminismus mindestens so nationalistisch und pro-kapitalistisch ist, wie der übliche Feminismus auch, stimmt selbstverständlich. Das ist ja nicht zu bestreiten, dass da dem Feminismus vorgeworfen wird, Deutschland und dem kapitalistischen Erfolg zu schaden. Nur macht das weder meinen „Antifeminismus“ nationalistisch und pro-kapitalistisch (es kommt ja schon noch auf die Gründe für das „anti-“ an), noch ändert es etwas an der nationalistischen und pro-kapitalistischen Haltung des üblichen Feminismus‘.

  4. Mysa sagt:

    Hi, bin auch über den Mädchenblog hier gelandet, auch aus dem selben Grunde, ich finde es schade, dass dort keine Diskussion möglich ist.
    Ich werd mir das mal bookmarken hier, jetzt steht erst mal anders an, ich wünsch euch was.

  5. Entschuldigung für’s späte Freischalten; hatte die letzten Tage nicht nachgeschaut …

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