#! GNU/Linux auf Sony PCG-GRV516G

Veröffentlicht: 5. Juni 2011 in Hardware, Linux

„It’s not brown!“ war einer der Abgrenzungspunkte, mit denen sich aufgemacht wurde, auf Basis von Ubuntu mit Crunchbang (#!) eine eigene Distribution aufzuziehen. Wichtiger war jedoch die Verwendung des leichtgewichtigen Fenstermanagers Openbox, welcher auch von LXDE verwendet wird, anstatt der GNOME-Arbeitsplatzumgebung. Mittlerweile ist Ubuntu nicht mehr braun und #! Statler verwendet nicht mehr Ubuntu, sondern Debian stable als Basis. Außerdem bietet es neben der Openbox-Variante mittlerweile auch eine mit Xfce an, welche nicht ganz so Ressourcen schonend ist, aber dafür schon mit dem grafischen Xfce-Einstellungszentrum einiges mehr an Komfort bietet. Diese sollte es – im Dualboot mit Windows XP Professional SP3 – also für mein ’neues‘ Sony PCG-GRV516G sein, an welches ich gebraucht einigermaßen billig gekommen bin, nachdem mein HP Pavilion sich in die ewigen Rechengründe verabschiedet hatte. Ressourcen schonen war schließlich auch hier wieder trotz des passablen 2,4 GHz-Prozessors angesagt, weil das Teil absurder Weise nur maximal 512 MB RAM verträgt.

Und was soll ich sagen? Ich bin bisher begeistert! Außer dem notorischen Schwachpunkt, dass Bereitschaft und Ruhezustand nicht funktionieren, was ich aber ohnehin nur aus Testgründen mal ausprobiert habe, läuft alles bisher alles einwandfrei. Die Hardware wird vollständig erkannt, es bootet schnell, kommt im Normalbetrieb mit wenig RAM und Prozessorlast aus und lässt sich einfach konfigurieren. Außerdem werden Flash, mp3 und kopiergeschützte DVDs out of the box abgespielt, wobei Flash und DVD die Systemlast ganz schön hochtreiben können, aber das liegt ja nicht an #!. Als Software werden Chromium als Browser, die leichtgewichtige Textverarbeitung Abiword, die Kalendersoftware Orage, der VLC-Mediaplayer, sowie die Bildbearbeitung GIMP inklusive der Plugin-Sammlungen gimp-plugin-registry und G’MIC mitgeliefert. Freunde des Terminals werden mit dem XTerm und Terminator bedient. Als besonderes Leckerli ist außerdem ein gut vorkonfiguriertes Conky mit an Bord, in dem auch gleich die noch die wichtigsten Keyboard-Shortcuts aufgelistet sind. Zahlreiche weitere Software kann man sich aus dem Repository von Debian Stable via apt-get oder dessen grafischen Frontend Synaptic installieren. Ich habe mir allerdings zwei zusätzliche (eigentlich für Ubuntu gedachte) Softwarequellen hinzugefügt, um Firefox 4, sowie den Dateimanager emelFM2 zu installieren und auch das hat bisher keinerlei Probleme verursacht.

Noch ein Wort zur Installation: zum Einsatz kommt der textbasierte Debian-Installer. Nachdem man sein Huhn samt Körnern aus dem Schrank geholt hat und dieses mit dem Betätigen der Enter-Taste durch ist, wird einem nach dem ersten Reboot das Starten eines Skriptes angeboten. Dieses umfasst neben dem Update der installierten Software auch die Installation von Java und eines alternativen Kernels, der besser für den Desktop geeignet sein soll, als der von Debian stable, aber dafür nicht ganz so stabil sei. Ich habe diesen installiert aber mir ist ehrlich gesagt bisher weder in die eine noch in die andere Richtung ein Unterschied aufgefallen. Nachdem das Skript dann auch sein update-grub durchgeführt hat, wird beim nächsten Bootvorgang von Grub 2 auch Windows XP erkannt und kann von diesem aus gestartet werden.

Anschließend findet man sich auf einem schwarz-weiß-fokussierten Desktop wieder, den man sich beinahe nach Belieben konfigurieren kann. So sorgt bspw. das Aktivieren des Xfce-eigenen Compositings für echte Transparenzen als zusätzlichen Augenschmaus, ohne dass dies die Performance nennenswert beeinflussen würden. Dafür, dass sich Qt-Anwendungen in diese GTK+-Oberfläche optisch nahtlos einpassen, ist schon durch die Standardeinstellungen gesorgt, wie ich es mit dem Browser Arora getestet habe. Allerdings haben diese mit Startverzögerungen zu kämpfen, so dass der Firefox trotz einiger Plugins schneller startet als Arora, obwohl letzterer an sich leichtgewichtiger ist. Wenn man etwa gleichwertige Programme vorliegen hat, empfiehlt es sich also, lieber auf diejenigen zurückzugreifen, welche GTK+ als Toolkit verwenden.

Für viele sicher ungewohnt wird das Fehlen eines Startmenüs im Panel sein, was sich der Openbox-Herkunft von #! verdankt, welche sich auch in der Xfce-Variante widerspiegelt. Unter Openbox öffnet man das Menü nämlich durch einen Rechtsklick auf den Desktop und so ist es auch hier. Alternativ kann man sich auch durch einen Rechtsklick auf das Panel das Xfce-Startmenü in dieses holen. Da ich aber Anwendungen ohnehin meistens über die Tastenkombination [Alt] [F2] starte, werde ich dieses bei mir wohl wieder entfernen. Neben dem unterem Panel gibt es noch ein kleines, welches mittig am linken Bildschirmrand angebracht ist. Dieses erscheint, wenn man mit der Maus über dieses fährt. Anschließend kann über dieses bspw. der Dateimanager oder ein Terminal gestartet werden. Aber das ist ja ohnehin alles konfigurierbar.

Das Urteil „nicht familienfreundlich genug“ (das sich allerdings hauptsächlich auf Openbox bezog) kann ich bezüglich der Xfce-Variante von #! überhaupt nicht teilen. Neben Linux Mint und dessen Debian-Editionen mit Gnome oder Xfce ist dieses vielmehr eine der Distributionen, welche ich Linux-Nutzern, welche eine Alternative zu Ubuntu suchen, ohne auf dessen Komfort verzichten zu wollen, uneingeschränkt für einen Versuch empfehlen würde. Da die Installations-CD zugleich auch eine Live-CD ist, kann man diesen sogar unternehmen, ohne gleich das dressierte Huhn hervorzukramen. Statler says: früher oder später wird man das vermutlich aber ohnehin machen wollen.

der Desktop mit Conky
Der von mir bereits leicht macbuntisierte Desktop mit Conky und der linken Taskleiste

Das Startmenü lässt sich durch einen Rechtsklick auf den Desktop öffnen
Wer das Startmenü nicht wie hier der Taskleiste hinzufügen will, kann es auch mit einem Rechtsklick auf den Desktop aufrufen

der Anwendungsstarter
Effizienter ist es aber ohnehin meistens, mit der Tastenkombination [Alt] [F2] den Anwendungsstarter aufzurufen, welcher mit Ergänzungsfunktion und Verlauf daher kommt

Transparenzen
Durch das Aktivieren des Xfce-eigenen Compositings lassen sich Transparenzen als Augenschmaus erzielen, ohne dass die Performance spürbar darunter leiden würde

Qt-Anwendungen
Qt-Anwendungen wie hier der Browser Arora passen sich optisch nahtlos in die GTK+-Oberfläche ein, aber fallen durch deutlich längere Startzeiten auf

DVDs
Mit dem vorinstallierten VLC-Mediaplayer lassen sich auch kopiergeschützte DVDs – hier: The IT Crowd – abspielen, da #! die erforderlichen Bibliotheken im Gegensatz zu bspw. Ubuntu von Haus aus mitbringt

P.S.: Windows XP Professional hat sich auf dieser Hardware übrigens auch passabel geschlagen. Den Grafiktreiber habe ich zwar nachinstalliert, aber auch ohne diesen ließ sich die korrekte Auflösung von 1280 * 1024 einstellen. Aber was für einen Krampf die Installation von Updates und Software jedesmal darstellt, wenn man Linux-verwöhnt ist … und wesentlich langsamer ist es im Betrieb auch, selbst wenn man den bonbonbunten Grafikmist ausschaltet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s