Die Aluhüte der Bildzeitung

Veröffentlicht: 9. Mai 2014 in Demokratie, Politik
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An den Montagsdemos anlässlich des Krim-Konflikts wird ja gerne deren verschwörungstheoretischer Charakter kritisiert – bspw., wenn diese die deutschen Medien als von den USA/ der CIA gesteuert darstellen. Und es stimmt ja, dass der Schluss davon, dass die nicht die von einem gewünschte Linie vertreten, darauf, dass die dann wohl fremdgesteuert sein müssen, nicht korrekt ist.

Richtig erscheint dieser Schluss lediglich Nationalisten, welche den von ihnen gewünschten Kurs der Nation nicht medial repräsentiert sehen, dies als Verstoß an der eigentlichen nationalen Aufgabe der deutschen Medien auffassen und daher darauf kommen, dass die dann wohl in der Hand einer fremden Nation sein müssen und zwar selbstverständlich jener Nation, gegen die sich der gewünschte nationale Kurs richtet. Dass gar keine Fremdsteuerung nötig ist, wenn Journalisten gemäß des von ihnen gewünschten nationalen Kurses die Nachrichten Wichten und Werten, kommt ihnen dabei nicht in den Sinn, weil sie ihren nationalen Erfolgsweg absolut setzen, weshalb jede Abweichung von diesem nur aus dem Ausland kommen könne. Dass dabei auch von Geheimdiensten oder PR-Agenturen in den Umlauf gebrachte Spins, welche es selbstverständlich gibt, wohlwollend bedacht werden, verdankt sich dabei deren Identität mit dem politischen Standpunkt des Journalisten – anderes wird dann folglich als Propaganda, auf die man doch nicht reinfalle, aussortiert.

Nur scheinbar seltsam ist daher, dass die Skandalisierung einer russischen Unterwanderung der Medien nicht als verquere Verschwörungstheorie verspottet wird, sondern als investigativer Journalismus gilt.

selbstverständlich keine Verschwörungstheorie

selbstverständlich keine Verschwörungstheorie (Screenshot von bild.de)

Auf die Russenpropaganda fällt so ein seriöser Journalist schließlich nicht rein. Auch hier wird also in der gleichen nationalistischen Blödheit wie bei den Verschwörungstheoretikern jeglicher abweichende nationale Standpunkt dem Ausland – und zwar selbstverständlich jener Nation, gegen die sich der gewünschte nationale Kurs richtet – zugeschrieben. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der nationale Standpunkt der Journaille weitestgehend mit der tatsächlichen Politik identisch ist.

Festhalten lässt sich daher:

Wenn die Verschwörungstheoretiker mit solchen Vorwürfen überhäuft werden, dann liegt das daran, dass sie mit ihren Überlegungen nicht etwa die Bandbreite des gewohnt Absurden, sondern die des politisch Opportunen verlassen haben. (Gegenstandpunkt)

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